Peter Sloterdijk: Den Himmel zum Sprechen bringen. Suhrkamp 2022

Nach dem ungeheuer lehrreichen Buch über „Die schrecklichen Kinder der Neuzeit“ (Wirtschaft, Soziologie…) durfte man in Sloterdijks Religionsbuch einige Offenbarungen erwarten. Was tatsächlich kommt ist doch nur ein komplexes, religionsskeptisches Manifest.

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Ein stundenlanges „atheistisches Waterboarding“. Wenn auch in Sloterdijks grandiosem Deutsch mit Feuerwerk. Eine Folter, der man sich gerne unterzieht. Der Meister spreche selbst:

„Alle übrigen vormals bedeutsamen religionsförmigen Funktionen offiziellerer Art wie Kaiser- und Fürstenkult, Staatsüberhöhung, Festkalenderpflege, Armeesegen, Eheschließung, Jugenderziehung, Gebäu-deweihe, Erntefeier, Eidbesicherung, Seelsorge, Sexualitätslenkung, Krankenpflege, Armenbetreuung, Psychagogik, Beratung in letzten Dingen und Verwaltung der rites de passage erweisen sich nachträglich als sekundäre Leistungen, die, wie gesehen und geschehen, an säkulare Agenturen abgegeben werden konnten, manchmal unter Verlusten, nicht selten mit gleichem oder besserem Erfolg. Auch die Beiträge der Religion zur Ich- und Über-Ich-Bildung sind, wie man seit dem 18. Jahrhundert bemerkt, durch weltliche Prägungen substituierbar.“ (S. 335)

Ausgangsthese: wie bei den Griechen die Götter per Kran ins Schauspiel geflogen kommen, so haben verschiedene Kulturen ihre Götter mit Sprachfähigkeit versehen, oder anders, sie haben sie kreiert. Und das wars auch schon. Alles andere ist Sprachkunst und ein fantastischer Rundflug durch alle Quellen und Epochen, die man sich kaum vorstellen kann.