Pater Benedikt empfiehlt

Als Passionist und Priester bin ich mit dem Herrn
unterwegs um Menschen von seiner Liebe zu erzählen. Wie schön ist es
doch, Christ zu sein!

@paterbenediktcp

Mein liebstes Buch

  • Simone Troisi und Cristiana Paccini: Chiara Corbella Petrillo: Geboren, um nie mehr zu sterben

Ich erhielt dieses Buch als eines dieser unerwarteten Geschenke, von denen man sich auf den ersten Blick denkt: Brauche ich das wirklich? Doch als ich angefangen hatte, das Lebenszeugnis der Italienerin Chiara Corbella Petrillo zu lesen (vielleicht besser: das Zeugnis der Eheleute Petrillo), konnte ich es fast nicht mehr weglegen. Ich habe es in zwei Zügen durchgelesen – mal mit einem breiten Lächeln im Gesicht, mal mit Tränen in den Augen, dann wieder mit tiefer Dankbarkeit Gott gegenüber, der sich sogar durch den größten vorstellbaren Schmerz zu offenbaren weiß.

Der Inhalt des Buches in vier Sätzen: Chiara Corbella und Enrico Petrillo lernen sich 2002 in Medjugorje kennen und nach vielem Hin und Her – wie das Leben manchmal so läuft – heiraten sie 2008. Die ersten beiden Kinder, die Gott ihnen schenkt, sind schwerstbehindert und leben jeweils nur einige Minuten lang. Während ihrer dritten Schwangerschaft wird bei Chiara ein Krebsgeschwür festgestellt – doch um ihr Kind zu schützen verzichtet sie selber auf eine durchschlagende Behandlung und gibt ihr Leben für ihr Kind. Sie stirbt, ihr Kind darf leben.

„Während ihrer dritten Schwangerschaft wird bei Chiara ein Krebsgeschwür festgestellt.“

Sie stirbt, ihr Kind darf leben.“

Was bedeutet es, sein Leben Tag für Tag von Gott zu empfangen? Chiara und Enrico legen in diesem Buch ein so erschütterndes wie ergreifendes Zeugnis ab, davon, was es heißt, in erlöster Armut vor Gott zu leben. Nichts – aber rein gar nichts – ist selbstverständlich: Nicht deine eigene Gesundheit, nicht die Gesundheit deiner Kinder, nicht dein Partner, ja nicht einmal dein eigenes Leben. Die einzige feste Bezugsgröße, die wir haben, ist die ungebrochene Treue Gottes, der selbst dann bleibt, wenn wir ihn nicht mehr spüren können. Ich würde mir mit diesen großen Worten sehr belehrend vorkommen, wenn ich nicht einfach nur das wiedergeben würde, was Chiara und Enrico Petrillo durch ihr Leben bezeugen.

„Liebe ist das Gegenteil von Besitz.“ Dieses Zitat von Chiara, zusammen mit einem Bild von ihr, ziert seit einigen Jahren meine Klosterzelle, weil es mich an etwas Wichtiges erinnert: Alles ist Geschenk und Liebe ist ein reiner Akt der Freiheit und Hingabe.

Hardfacts:
Simone Troisi und Cristiana Paccini: Chiara Corbella Petrillo – Geboren, um nie mehr zu sterben. Canisi Edition 2019. 198 Seiten. 17,- € (leider vergriffen)


Mein liebster Podcast

The Symbolic World (von Jonathan Pageau)

Viele Jahrzehnte, ja Jahrhunderte hat der Materialismus versucht uns vorzumachen, dass die Welt nur das ist, was ich sehen und naturwissenschaftlich nachvollziehen kann. Die Sinnlosigkeitsepidemie unserer Tage zeigt, welche Frucht diese Weltanschauung trägt: Viele Menschen sind im schlechtesten Sinne des Wortes desillusioniert, die Suizidraten unerträglich hoch.

Der kanadische christlich-orthodoxe Gelehrte Jonathan Pageau hat mit seinem Podcast „The Symbolic World“, der im Grunde eine ganze Bewegung losgetreten hat, eine ganz andere Herangehensweise an die Welt. Er schaut auf die Symbolik in den heiligen Geschichten unserer Religion und Kultur, auf die Bedeutung zeitgenössischer Popkultur und darauf, wie all das unser Erleben der Welt prägt.

Der Podcast „The Symbolic World“, den mir vor einiger Zeit ein Freund empfahl, bietet viele frische und unverstellte Blicke auf die großen Geschichten, aus denen unsere westliche Kultur hervorgegangen ist. Für mich persönlich ist er immer wieder bereichernd und erhellend, weil Pageau und seine Co-Referenten aus einem unglaublichen Wissensschatz schöpfen, der sich weit über den amerikanischen und europäischen Kulturkreis hinaus erstreckt.

Hardfacts:
The Symbolic World, von Jonathan Pageau (u.a.)
Sprache: Englisch
Releases: unregelmäßig
Länge: variabel
Plattformen: YouTube, Spotify, Apple Podcasts (u.a.)


DER Beste Film

The Green Mile (von Frank Darabont)

Leider muss ich gestehen, dass ich nicht der typische Fromme-Filme-Gucker bin. Deswegen wird es vielleicht verwundern, dass ich „The Green Mile“ als einen meiner Lieblingsfilme in diese Empfehlungsliste packe. Eine gute Botschaft muss nicht immer in einem christlichen Kostüm daherkommen. Wenn man genauer schaut, kann man unter einigen nicht-christlichen Releases auch vieles finden, das gut produziert und gut für die Seele ist. Dieser Film zählt für mich auf alle Fälle dazu.

In den 1930er-Jahren arbeitet Paul Edgecomb im Todestrakt des Staatsgefängnisses Cold Mountain (Louisiana). Eines Tages wird ein neuer Gefangener eingeliefert: der beängstigend große John Coffey. Doch hinter seinem einschüchternden Äußeren verbirgt sich ein Rätsel, dem sich die Gefängniswärter erst langsam nähern.

„Die Welt besteht aus so viel mehr als was wir sehen oder direkt verstehen können. Jeder Mensch trägt seine Geschichte mit und bleibt im Letzten ein unverfügbares Geheimnis.“

„The Green Mile“ lässt seine Zuschauer durch ein Auf und Ab der Gefühle gehen, indem er den rechtschaffenen Wärter Paul Edgecomb zeigt, der in den Schwierigkeiten seiner Beschäftigung versucht, den rechten Weg zu gehen. Mich persönlich berührt der Film immer wieder neu, wenn sichtbar wird, dass das oberflächliche Urteil über eine Person unter Umständen ihrem Inneren überhaupt nicht gerecht wird. Die Welt besteht aus so viel mehr als was wir sehen oder direkt verstehen können. Jeder Mensch trägt seine Geschichte mit und bleibt im Letzten ein unverfügbares Geheimnis.

Hierin besteht die Gottesebenbildlichkeit des Menschen. Hierin liegt seine Würde begründet. Menschen können sich dennoch so oder so entscheiden. Auch das spart „The Green Mile“ nicht aus, wenn zum Beispiel der sadistische Gefängniswärter Percy Wetmore wieder sein Unwesen treibt.

Alles in allem ist „The Green Mile“ einer dieser Filme, bei denen man bei der Schlussabblende in den schwarzen Bildschirm schaut und irgendwo zwischen Rührung und Schock ins Grübeln kommt. Die lange Laufzeit macht ihn für mich zu einem modernen Epos, wozu maßgeblich auch der starke, aber unauffällige Soundtrack und die tollen Bühnenbilder beitragen.

Hardfacts:
Name: The Green Mile
Regie und Produktion: Frank Darabont
Darsteller: Tom Hanks, Michael Clarke Duncan, Doug Hutchison u.a.
Jahr: 1999
FSK: ab 12 Jahren
Jahr: 1999
Länge: 189 Minuten


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