Lucia de Jesus: Schwester Lucia spricht über Fatima. Fatima 2007

Seit 1917 schlagen die Erscheinungen der Gottesmutter in Fatima die Menschen in ihren Bann. Sie beeindrucken in ihrer Macht: die Sonne wirbelt über die Erde hinweg und die Hölle zeigt ihren Schlund. Sie faszinieren in ihrer mütterlich strengen Pädagogik mit den Hirtenkindern, die erst vom Engel, dann von Maria selbst zu beten gelehrt werden. Sie faszinieren mit dem Mythos ihrer drei Geheimnisse, die wohl offenbart oder doch verheimlicht wurden, wie man gerne flüstert.

Die ganze Geschichte wurde im wesentlichen von einer einfachen Frau erzählt, Lucia dos Santos, Hirtenmädchen, die später Karmelitin wurde. Sie selbst ist völlig schlicht und unbeeindruckt, während der Rummel aus Fatima einen Mythos macht. Umso wahrhaftiger ist Lucias Erzählung.

Der Text ist datiert vom 8. Dezember 1941 und ist an den Bischof von Leiria gerichtet. Die Aufzeichnungen sind die wichtigste Quelle für Fatima, weil sie aus erster Hand stammen. Sie liefern etwa die Engelserscheinungen von 1916, die Höllenvision und den ersten und zweiten Teil des “Geheimnisses”. Der dritte Teil fehlt hier, er wurde erst im Jahr 2000 vom Vatikan veröffentlicht.

Fatima ist eine kirchlich anerkannte Privatoffenbarung. Der Bischof von Leiria erklärte die Erscheinungen 1930 für glaubwürdig. Zum Glaubensgut gehören sie nicht, sie sind eine Hilfe und kein Dogma. Quellenkritisch ist zu bemerken, dass Lucia die Ereignisse von 1917 erst zwischen 1935 und 1941 aufschrieb. Wichtige Elemente wie die Höllenvision erscheinen erst in den späten Texten, was die Forschung diskutiert.

Erste Erinnerung (Jacinta): Lucia schildert ihre Cousine als zartes Kind, das sich ganz der Bekehrung der Sünder hingibt. Sie verschenkt ihr Mittagsbrot, bringt kleine Opfer und hält die Haft und die Drohungen des Verwalters durch. Ihre Krankheit und ihre Vorhersage des einsamen Todes in Lissabon beschreibt Lucia ebenfalls.

Zweite Erinnerung (Erscheinungen und Anfeindung): Sie erzählt von den Engelserscheinungen, von der Kommunion durch den Engel und von den Erscheinungen der “Dame” bis zum 13. Oktober. Dazu kommen der Druck der Mutter und des Pfarrers, die Todes- und Verhaftungsdrohungen, der Tod des Vaters und der Abschied von Fatima.

Dritte Erinnerung (das Geheimnis): Der erste Teil ist die Vision der Hölle, der zweite die Verehrung des Unbefleckten Herzens Mariens, verbunden mit der Ankündigung eines schlimmeren Krieges unter Pius XI., falls die Menschen nicht umkehren. Lucia betont, sie sei keine „Prophetin“, Gott gehe es um Gebet, Buße und Sühne.

Vierte Erinnerung (Francisco und die Engel): Hier steht die Frömmigkeit Franciscos im Mittelpunkt, der den „traurigen Heiland“ trösten will. Es folgen die Gebete des Engels, die Anbetung der Dreifaltigkeit und die Eucharistie. Im Nachwort beschreibt Lucia die Dreifaltigkeitsvision in der Kapelle von Tuy.

Aber lassen wir sie selbst zu Wort kommen:

Wir blickten nach oben und sahen dann jene Gestalt, von der ich schon erzählte, über den Olivenhain auf uns zukommen. Jacinta und Francisco hatten sie noch nie gesehen, noch hatte ich ihnen von ihr erzählt. Wie sie sich uns näherte, konnten wir ihr Aussehen erkennen: Ein Jüngling von 14 bis 15 Jahren, weißer als der Schnee. Die Sonne machte ihn durchsichtig, als wäre er aus Kristall. Er war von großer Schönheit.

Als er vor uns stand, sagte er: Habt keine Angst! Ich bin der Engel des Friedens! Betet mit mir! Auf die Erde niederkniend beugte er seine Stirn bis zum Boden und ließ uns dreimal diese Worte wiederholen:

Mein Gott, ich glaube an Dich, ich bete Dich an, ich hoffe auf Dich, ich liebe Dich. Ich bitte Dich um Verzeihung für jene, die an Dich nicht glauben, Dich nicht anbeten, auf Dich nicht hoffen und Dich nicht lieben.

Danach sagte er sich erhebend: So sollt ihr beten, die Herzen Jesu und Mariens erwarten eure flehentlichen Bitten.

Lucia, Schwester Lucia spricht über Fatima, 9. Aufl., S. 82 f.

Einmal kamen zwei Priester, um uns zu befragen. Sie empfahlen uns, für den Heiligen Vater zu beten. Jacinta fragte, wer der
Heilige Vater sei, und die Priester erklärten uns, wer er ist, und wie sehr er der Gebete bedürfe. Jacinta behielt eine so große
Liebe zum Heiligen Vater, daß sie immer, wenn sie Jesus ihre Opfer anbot, hinzufügte «und für den Heiligen Vater». Am Ende
des Rosenkranzes betete sie immer drei «Gegrüßet seist Du Maria» für den Heiligen Vater und einige Male sagte sie:
– Wenn ich doch den Heiligen Vater sehen könnte. Es kommen so viele Leute hierher, aber der Heilige Vater kommt niemals! In ihrer kindlichen Unschuld glaubte sie, der Heilige Vater könne diese Reise wie andere Leute machen.

Lucia, Schwester Lucia spricht über Fatima, 9. Aufl., S. 52

Ich halte mich nicht damit auf, die Erscheinung vom 13.Mai zu beschreiben. Sie ist Eurer Exzellenz gut bekannt, und so wäre die Zeit verloren, die ich dafür aufwenden würde. Auch ist Eurer Exzellenz die Art und Weise bekannt, wie meine Mutter sich nach dem Ereignis erkundigte, und wie sie sich bemühte, mich zu dem
Geständnis zu zwingen, daß ich gelogen hätte. Die Worte, die die Heiligste Jungfrau an diesem Tag zu uns sprach, und die wir niemandem je verraten wollten, lauteten (nachdem sie uns gesagt hatte, daß wir in den Himmel kämen):
– Wollt ihr euch Gott anbieten, alle Leiden zu tragen, die Er euch schicken will, als Akt der Wiedergutmachung für die Sünden,
durch die Er beleidigt wird und als Bitte um die Bekehrung der Sünder?
– Ja, wir wollen es – war unsere Antwort.
– Ihr werdet also viel zu leiden haben, aber die Gnade Gottes wird eure Stärke sein.

Lucia, Schwester Lucia spricht über Fatima, 9. Aufl., S. 87 f.

Eine Fatima-Erzählung gibt es auch von dem berühmten deutschen Autor etlicher Heiligenleben, Wilhelm Hünermann.