Ralph Weimann: Sakramentalien – Gnadenschatz der Kirche. Media Maria 2025

Gastbeitrag von Anita Haarhaus.

Mehr von Weimann gibt es hier.

„Ein altes Sprichwort sagt: Wo der Glaube schwindet, blüht der Aberglaube. Gerade in unserer Zeit  bewahrheitet sich dies. So breitet sich das Phänomen aus, wonach sich viele Menschen dem  Okkultismus und Spiritismus zuwenden; sie konsultieren Medien, betreiben Hexerei, Zauber und  praktizieren satanische Rituale (…), wobei eine sich als modern gebende Theologie darauf nicht nur  keine Antwort hat, sondern geflissentlich wegschaut bzw. diese Wirklichkeit ignoriert (S. 231). Die  Gründe, warum sich viele Menschen esoterischen Praktiken zuwenden, können sehr  unterschiedlich sein. (…) Besonders junge Menschen lassen sich vom Irrational-Geheimnisvollen in  den Bann ziehen; auch deswegen, weil sie es nur zu oft in der Kirche nicht mehr finden“ (S. 232f). 

(c) Media Maria

Fast 150 Seiten weiter wird dieser Zusammenhang wieder aufgegriffen: „Die Wiedergewinnung  eines vernünftig-gläubigen Zugangs zu den Sakramentalien sollte daher unbedingt für die Kirche  Priorität haben, denn damit erschließt sich auch ein erneuerter Zugang zum Glauben allgemein  

und zu den Sakramenten im Besonderen. Auf diese Weise ließen sich Brücken zur Jugend bauen,  die vermehrt nach dem Mysterium sucht, es aber oft nicht mehr in der Kirche findet. Das  Verständnis erschließt sich nur durch den lebendigen Glauben, denn durch ihn wird die  unsichtbare Welt sichtbar. Die aktuelle Glaubenskrise lässt sich nicht leicht überwinden, aber umso  wichtiger ist es, einem genuin theologischen Ansatz zu folgen, der sich auf das Licht des Glaubens  stützt“ (S. 373). 

Diese beiden Absätze stammen aus Ralph Weimanns Buch ‚Sakramentalien. Gnadenschatz der  Kirche‘, das seit Juni 2025 in deutscher Übersetzung vorliegt. In einem Interview, das Don Prof. Dr.  Dr. Weimann einem katholischen, deutschen Sender kurz nach dem Erscheinen der englischen  Fassung ein Jahr zuvor gegeben hat, erfahren wir etwas über die Entstehung und den  Adressatenkreis des Buches. Weimann, der u.a. am Angelicum, der Hochschule der Dominikaner in  Rom lehrt, berichtet, dass er an der Universität zunächst einen Kurs in Sakramentalien angeboten  hat, der ein Unikum darstellt, weil Priester in der Regel keine Ausbildung im Hinblick auf  Sakramentalien erhalten. Aus diesem Kurs ist das Buch hervorgegangen, mit dem das Wissen nun einem breiteren Publikum an Priestern und interessierten Laien zugänglich gemacht wird.

Bereits im ersten Satz seines Vorwortes drückt Kardinal  Sarah die dem Buch zukommende Bedeutung aus, wenn er schreibt, dass „das Buch eine Lücke in  der theologischen Forschung (füllt)“ (S. 13). 

Der Leser mag sich, wenn er in die Lektüre eintaucht, zunehmend in den Vorlesungssaal einer  altehrwürdigen Universität versetzt fühlen. Das liegt erstens in der oben erwähnten  Entstehungsgeschichte des Buches und zweitens in der Natur des Inhalts und darin, wie er  dargelegt wird, begründet. Im ersten Teil werden die theologischen Grundlagen der  Sakramentalien erörtert und im zweiten Teil pastorale Erklärungen gegeben, wobei Weimann das auf eine Art und Weise gelingt, die den Leser fasziniert, weil sie die Seele in ihrer Sehnsucht nach  dem wahren Geheimnis, das sie in Unruhe versetzt, (Psalm 62,2) anspricht und sie zugleich zum  Rational- bzw. vielmehr zum Überrational-Geheimnisvollen führt, das den Menschen wirklich Heil  machen möchte. Gemeint ist die sakramental-theologische Perspektive, die Don Weimann hier einnimmt und vermittels derer er die Sakramentalien in ihrem Wesen und in ihrer Bedeutung  erschließt. Im Rahmen der sakramentalen Perspektive wird das Sein in seiner Dualität (nicht  Dualismus!!!) in sichtbar/natürlich und unsichtbar/übernatürlich erfasst.

Wer dieses Fachbuch aus wissenschaftlichen Gründen erworben hat und darüber hinaus zu  bestimmten Aspekten weiterforschen möchte, der wird auf Basis der Fußnoten und des  Literaturverzeichnisses fündig, wobei auch im Fließtext wertvolle Hinweise zum weiteren Studium  anregen, wenn z.B. auf die sechs Katechesen von Papst Johannes Paul II. zu den Engeln, die er von  Juli 1986 bis Mai 1987 gehalten hat, hingewiesen wird. 

Wer wiederum zur Vertiefung seines Wissens und zur Intensivierung seines Glaubenslebens zu  diesem Buch greift, wird auch vom Glossar profitieren und zudem zahlreiche Gnadenschätze der  Kirche bergen, von denen hier zwei Erwähnung finden sollen: Nicht nur die Benediktus-Medaille  bedarf einer besonderen Segnung, auch für die Wundertätige Medaille hat die Kirche 1895 eine  besondere Segnung inklusive Auflegung approbiert. Neben diesen beiden Segnungen ist im Buch  auch das Gebet zum Erzengel Michael abgedruckt und seine Entstehung und Bedeutung wird  erklärt. 

Dem Buch kommt die Kraft zu -wenn der Leser sich darauf einlässt-, den Glauben zu wecken,  „aufgrund (…) (dessen wir) erkennen (…), dass die Welt durch Gottes Wort erschaffen wurde und  so aus Unsichtbarem das Sichtbare entstanden ist“ (Hebräerbrief 11,3). Das Buch hat die Kraft das  Vertrauen zu wecken, das die Taubheit und Blindheit in Verstehen und Erkennen (Jesaja 6,9)  verwandeln kann. Seine Ausführungen bestätigen die Fülle der Wahrheit, machen Priestern und  Laien wieder neu bewusst, wer sie sind und zu wem sie gehören -sie sind Kinder Gottes- und gibt  ihnen dadurch Trost und Hoffnung. Was in diesem Zusammenhang den priesterlichen Dienst  anbetrifft, so wird im Buch deutlich wie sich die den Priestern von Christus zukommende Autorität  und Verantwortung nicht nur in den Sakramenten, sondern auch in den Sakramentalien – insbesondere auch Exorzismen- manifestiert, sodass auch der letzte Rest eines Verständnisses, der  irrtümlicherweise in Richtung eines Klerikalismus gehen könnte, ausgeräumt wird. Don Prof. Dr. Dr.  Weimann erinnert mit Sachkenntnis, Klarheit, Gelassenheit und tiefem Glauben an längst – spätestens unter dem Einfluss des Rationalismus- vergessene und somit inzwischen unbekannte  (Glaubens-)Wahrheiten: dass Engel, Dämonen und der geistige Kampf real sind und dass die  sichtbare und unsichtbare Welt existiert, so wie wir es im Nizäno-Konstantinopolitanum beten und  bekennen: 

Wir glauben an den einen Gott
den Vater, den Allmächtigen,
der alles geschaffen hat, Himmel und Erde,
die sichtbare und die unsichtbare Welt. 

Credo in unum Deum,
Patrem omnipotentem,
factorem caeli et terrae,
visibilium omnium et invisibilium.