Tom Holland: Herrschaft. Klett-Cotta 2021

Tom Holland hat eine These: alles ist christlich, die ganze europäisch westliche Kultur ist im Christentum verwurzelt, verpackt und daraus hervorgegangen. Die These ist genauso steil wie das Buch lang ist (über 600 Seiten). Doch dass „von Beatles-Songs über Dinosaurier-Ausgrabungen bis zur LGBTQ-Bewegung und sogar dem Islamischen Staat alles aus dem Christentum rührt, möchte der Kritiker (Arno Orzessek) allerdings dann doch nicht glauben.“ Ich selbst auch nicht.

Der Stil ist journalistisch. Aus dem Detail geht es in die große Historie. Prädikat: unterhaltsam. Dafür werden aber auch mehr als 2.000 Jahre Geschichte durchgewälzt, das ist am Ende doch einfach zu viel für eine Nachttisch-Lektüre. Ein Fachbuch ist der Wälzer aber auch nicht.

Immerhin findet man sich christlich wieder – in einem Werk, das dem Christentum die geschichtsbildende Wirkung zuspricht, die es hat. Es ist sicher ein gelungener Versuch einer christlichen Apologetik. Aber ob es das sein will?


Erst lange nach dem Buch habe ich den Podcast von Tom Holland entdeckt: The Rest is History. Eine absolute Podcast-Perle. Zuletzt habe ich die vier Folgen über die Schlacht von Azincourt gehört (England besiegt Frankreich 1415). Das ist wiederum auch ein stückweit christliche Geschichte, denn Henry V. schlägt sich nur deshalb mit den Franzosen herum, weil er weiß, dass er Gottes auserwählter König ist. – Auch die Episoden

Also ist doch alles christlich. Tom Holland hat Recht.

(c) Klett-Cotta