Neil MacGregor: Eine Geschichte der Welt in 100 Objekten. Beck 2014

Das Buch ist eine horizonterweiternde Tour durch die Weltgeschichte von Objekt zu Objekt, von Epoche zu Epoche und von Kultur zu Kultur. Es geht hier um Weltgeschichte im allerweitesten Sinn, Menschheitsgeschichte – doch eng dorthin verflochten ist natürlich die Geschichte des Christentums und der Kirche. Deshalb steht das Buch hier in der christlichen Bücherliste. Übrigens für unter 10€ zu haben in der Bundeszentrale für politische Bildung und zwar hier.

Besonders hat mich die Erzählung vom Christus-Mosaik von Hinton St. Mary fasziniert: ein frühes Christusbild ist in den Fußboden einer vornehmen englischen Villa eingelassen, zwischen lauter heidnischen Bildern aus dem 4. Jahrhundert. Es stammt aus der Frühzeit, ein Gesicht mit römisch-heidnischen Zügen. Man musste sogar drüberlaufen. Nur wenige Jahrzehnte später hätte niemand mehr einen Christus dargestellt, den man mit den Füßen betritt.

„MacGregors History of the World entstand aus der gleichnamigen, in Kooperation mit der BBC erarbeiteten und 2010 ausgestrahlten Radio-Serie, in der in 100 Folgen jeweils ein Objekt aus dem British Museum vorgestellt wurde, wobei ein chronologisch und geografisch möglichst weitgefasster Horizont anvisiert worden war. [3] Jeweils 5 Objekte wurden zu einer von insgesamt 20 thematischen Einheiten zusammengefasst, in der ein bestimmter Aspekt der Menschheitsgeschichte im Fokus stand. Dem ursprünglich nichtvisuellen Medium geschuldet, nimmt die eingehende Objektbeschreibung in MacGregors identisch aufgebautem Buch einen breiten Raum ein. Im Sinne einer kunsthistorischen Ikonologie wird dem Artefakt Symptomcharakter für seinen zeitlichen und kulturellen Kontext zugestanden. Mit einer Auswahl an Gegenständen vom prähistorischen Steinwerkzeug (39-43) bis zur Solarlampe (747-753), verabschiedet sich MacGregor demonstrativ sowohl von einem kunsthistorischen als auch von einem eurozentrischen Objekt-Kanon. Zwar werden vereinzelt Werke der ‚Hochkunst‘, wie eine Metope aus dem Parthenon-Fries (215-220) oder Dürers Nashorn (557-563) besprochen, doch handelt es sich dabei um Ausnahmen. In einem grosso modo chronologisch angelegten Parforceritt um den Globus werden u.a. eine steinerne Olmekenmaske aus Mexiko (229-235), Goldmünzen aus Damaskus (355-361), Tonscherben aus Tansania (455-459) und ein hawaiianischer Federhelm (649-654) vorgestellt. Dass allein 13 von 100 Artefakten aus China oder Japan stammen sowie die Tatsache, dass die Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts (Teil XIX u. XX) nicht einmal ein Siebtel des Buchumfangs einnimmt, belegt den Versuch, tradierte Narrative zu überwinden. Die Titel einiger Überkapitel wie VI. Die Welt in konfuzianischer Zeit (500-300 v. Chr.) oder XIX. Massenproduktion, Massenverführung (1780-1914 n. Chr.) machen dies unmittelbar deutlich.“ (Andreas Plackinger)