Ausnahmsweise steht hier keine Buchempfehlung, sondern ein ungeschriebenes Buch, das ich einmal begonnen aber nie veröffentlicht habe.
Worum geht es?
Unser Glaube hat einen Kern – Christus, der Herr, ist für uns gestorben und am dritten Tage auferstanden, um uns zum Vater zurückzuführen! – und er hat eine Sprache, mit dem wir ihn weitersagen können, ihn lernen und begreifen. Die „Wörter des Glaubens“ tauchen in die deutsche Glaubenssprache ein, mithilfe der Bibel und mithilfe der Etymologie, also der alten Wurzeln der Worte. Die Sammlung ist noch bescheiden und wird weiter wachsen, also schau bitte weiter hier vorbei.
Vielleicht ist etwas spannendes für dich dabei, herzlich willkommen!
Frieden herrscht, wenn der Krieg ruht. Der althochdeutsche fridu ist nichts anderes als der Moment der Schonung, wenn die Waffen schweigen. Wenn man einen Zaun um die sichere Zone errichtet, dann umfriedet man sie.
Der römische Frieden, berühmt durch die pax romana, die die Kaiser ihren Völkern bescherten, bringt dazu das Element des Vertrags. Die pax kommt einfach vom pactum, von jedem Pakt, der zwischen zwei Parteien vertragsmäßig Ruhe schafft.
Der Frieden des allmächtigen Gottes allein geht über menschliche Verträge hinaus. Jesus Christus schenkt den Frieden, der die künftige Welt kennzeichnet, jene herrliche Zukunft, in der der Retter das Böse endgültig besiegt haben wird. Bis dahin herrscht sein göttlicher Friede noch nicht universell, doch er herrscht bereits in den Herzen, die ihn einlassen: Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch, sagt Christus. Nicht, wie die Welt ihn gibt, gebe ich ihn euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht (Joh 14, 27).
Das Drama dieser Menschenwelt ist es, immer Menschenfrieden mit Menschenmitteln herstellen zu wollen, und stets soll er endgültig sein. Der zynische Name des Pekinger „Platzes des Himmlischen Friedens“ steht für immer als ein Beispiel des Schreckens bereit: ein Frieden, den die Panzer schaffen, indem sie über die Wehrlosen rollen. Nicht wie die Welt ihn gibt wird Gottes Friede sein.
Das Gesetz, geistlich, weltlich oder anders, ist freilich einfach das Gesetzte, das, was als gültig festgesetzt wurde und zu halten ist.
Wenn etwas gesetzt wird, dann muss es jemand setzen können. Da kommt der Gesetzgeber ins Spiel, der Mensch mit seinen Gesetzen, oder natürlich Gott, der Schaffer der berühmten zehn Gebote.
Doch das ist menschlich, allzu menschlich. Paulus schreibt hinauf und hinunter, das Gesetz sei endlich vorbei. Es galt nur
solange wir unmündig waren, Sklaven der Elementarmächte dieser Welt. Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt, damit er die freikaufe, die unter dem Gesetz stehen, und damit wir die Sohnschaft erlangen. (Gal 4, 3-5)
Vom Gesetz sind wir als Christen zunächst einmal befreit. Der Glaube führt zu Gott, das Gesetz führt nur zur sklavischen Schuld. Römer- und Galaterbrief sind voll davon:
So ist das Gesetz unser Erzieher auf Christus hin geworden, damit wir aus dem Glauben gerecht gemacht werden. Nachdem aber der Glaube gekommen ist, stehen wir nicht mehr unter dem Erzieher. Denn alle seid ihr durch den Glauben Söhne Gottes in Christus Jesus. (Gal 3, 14-26)
Wenn es unter diesen Vorzeichen noch ein Gesetz gibt, so ist es ein neues. Es wurde von Gott in die Herzen der Gläubigen hineingesetzt – eingeprägt, könnte man besser sagen. Jeremia hat es lange vor Christus bereits angekündigt:
Sowird der Bund sein, den ich nach diesen Tagen mit dem Haus Israel schließe – Spruch des HERRN: Ich habe meine Weisung in ihre Mitte gegeben und werde sie auf ihr Herz schreiben. Ich werde ihnen Gott sein und sie werden mir Volk sein. (Jer 31, 33)
Der Götze ist nichts anderes als ein kleines Göttlein: ein falscher Gott. Eigentlich ist Götz die althochdeutsche Koseform von Gottfried, genauso wie Hinz von Heinrich und Kunz von Konrad.
Als kleines Göttlein hat der „Götze“ zunächst das Heiligenbildchen bezeichnet. Unter Luthers Einfluss wird aus dem Abbild von Gott der Abgott – der Götze wird zum falschen Gott, zum Idol.
Auch das „Idol“ der Kirchensprache ist zunächst ein Bild. Ein Idol (εἴδωλον) ist das Bild eines heidnischen Gottes, also ein Gott, den man sieht (ἰδεῖν).
Diese von Menschen angefertigten Bilder und Statuen sind Trugbilder. Sie können niemanden retten und erlösen. Jeder Gottesdienst vor ihnen ist Idolatrie, Verehrung eines Trugbilds.
Die Götzen der Völker sind nur Silber und Gold, Machwerk von Menschenhand. Sie haben einen Mund und reden nicht, sie haben Augen und sehen nicht, sie haben Ohren und hören nicht, auch ist kein Atem in ihrem Mund. Ihnen werden gleich, die sie machen, alle, die auf sie vertrauen. (Ps 135, 15-18)
Gott ist allmächtig, Gott ist barmherzig. Wir können ihn beschreiben – doch wer ist er? Auch sein Name bleibt schleierhaft. Yahwe – ich bin der ich bin – der Anwesende, immer Seiende.
Der Islam kennt das gleiche Problem: Allahu akbar – Gott ist groß. Doch um zu sagen, wer er ist, braucht es neunundneunzig Namen.
Gott heißt in den romanischen Sprachen Deus – latein, Dieu – französisch und rätoromanisch, Dio – italienisch oder Diu auf Korsisch. Auf rumänisch heißt er gar Dumnezeu – zusammengezogen aus der lateinischen Anrufung Domine Deus, Herr Gott!
An der Wurzel dieser Entwicklung steht das indogermanische deiwo: der leuchtende Tag. Davon kommt also das lateinische Deus, aber natürlich auch Zeus, der Griechengott, der Herr des Himmels, der sich über die schwachen Menschen erhebt und Licht in ihre Finsternis strahlt. Übrigens hat daher auch sein römisches Pendant, Juppiter seinen Namen: Diu-pater – der Vater des Himmels.
Offensichtlich hat die deutsche Sprache einen anderen Weg eingeschlagen, um vom Allmächtigen zu sprechen.
Als die Missionare der Germanenstämme ihre Arbeit aufnahmen (im 3. und 4. Jahrhundert bei den Goten und Franken), fanden sie tatsächlich eine Gottesbezeichnung vor, die entfernt von der indogermanischen Wurzel abstammte, die wir kennen: aus deiwo war tivar geworden. Tivar bezeichnete aber Götter, etliche davon. Zahlreiche Worte fanden die Missionare auch für die finsteren Schicksalsmächte, aber nur eines war frei von den Mächten der Finsternis und bot sich an, den Einen und Einzigen zu benennen: guða. Nur die Missionare benutzten das ursprüngliche Neutrum-Wort maskulin und es wurde im Nordischen zu god wie wir es heute im Englischen wiederfinden.
Was bedeutet dieser Name?
Zunächst stand das Neutrum-Wort für männliche und weibliche Gottheiten. Darin ist es nicht fern vom Wesen Gottes: er ist der Vater, der alles erschaffen hat für seine Kinder. Und doch sagt er selbst: „wie eine Mutter ihren Sohn tröstet, so tröste ich euch“ (Jes 66,13).
Guða – die ursprüngliche Bedeutung ist nicht ganz klar. Seine Wort-Wurzel bedeutete wahrscheinlich gießen – ein Trankopfer vergießen – oder rufen. Gott ist also der Angerufene, Angebetete, dem man Opfer bringt. Vor Gott sind wir Menschen vor allem Beter, Bittende, Flehende.
Wenn ihr mich ruft, wenn ihr kommt und zu mir betet, so erhöre ich euch. Sucht ihr mich, so findet ihr mich. (Jer 29,12-13)
Übrigens rufen die Polen den Allmächtigen unter dem Titel Bóg an. Im proto-slavischen bedeutete dies: Reichtum und Schenker. Und es ist derselbe Gott: der den wir opfernd um seine Gaben bitten ist ein reicher und großzügiger Geber.
Weißt du es nicht, hörst du es nicht?
Der Herr ist ein ewiger Gott,
der die weite Erde erschuf.
Er wird nicht müde und matt,
unergründlich ist seine Einsicht.
Er gibt dem Müden Kraft,
dem Kraftlosen verleiht er große Stärke.
Die Jungen werden müde und matt,
junge Männer stolpern und stürzen.
Die aber, die dem Herrn vertrauen,
schöpfen neue Kraft,
sie bekommen Flügel wie Adler.
Sie laufen und werden nicht müde,
sie gehen und werden nicht matt. (Jes 40, 28-31)
„Mein Herr und mein Gott“, ruft Thomas, als er vor dem auferstandenen Jesus niederfällt. Der einfachste und schönste Titel des Retters, Herr.
Adonai heißt es auf Hebräisch: das Wort ersetzt fast überall im Alten Testament den unaussprechbaren Namen des Allmächtigen. Und als Thomas Unglaube durch Jesu Wunden besiegt ist und er nur noch sagen kann „mein Adonai“, dann weiß er, er ist vor Gott selbst auf die Knie gefallen.
Er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.
Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen,
der größer ist als alle Namen,
damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde
ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu und jeder Mund bekennt:
«Jesus Christus ist der Herr» – zur Ehre Gottes, des Vaters. (Ph 2,8-11)
In dem Satz «Jesus Christus ist der Herr»ist aber auch etwas ganz Subjektives, das völlig von dem abhängt, der ihn sagt. Nicht umsonst sprechen die Dämonen im Evangelium niemals diesen Titel Jesu aus. Sie gehen sehr weit uns sagen Jesus: „Du bist der Sohn Gottes!“ oder „Du bist der Heilige Gottes!“ Aber wir hören sie nie ausrufen: „Du bist der Herr!“
Wenn sie sagen: „Du bist der Sohn Gottes“, machen sie nichts anderes als eine Tatsache anzuerkennen, die nicht von ihnen abhängt und die sie auch nicht ändern können. Doch zu sagen: „Du bist der Herr!“ ist etwas ganz und gar anderes. Dazu bedarf es einer persönlichen Entscheidung. Dazu muss man ihn als solchen anerkennen, ja sich seiner Herrschaft unterwerfen. Würden sie ihn anerkennen, dann wären sie im selben Augenblick aus der Finsternis gerissen und würden wieder Engel des Lichts (Cantalamessa).
Es ist der Geist, der bekennen lässt: Jesus ist der Herr. Wer ihn nicht hat, wer nicht glaubt, der wird dies auch niemals sagen können.
„Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach“, sagt demütig der Hauptmann von Kapharnaum zu Jesus. (Mt 8,8)
Denn Herr ist tatsächlich der Ältere, der Würdigere (althochdt. hēriro). Das Wort verdrängt zunächst die germanischen Gottesanreden und wird dann ausgedehnt auf die weltlichen Herren. Ähnlich übrigens im Französischen: le Seigneur, das ist zunächst der Herr des Himmels, dann der Schlossherr, schließlich der Senior, der Ältere.
Schön ist auch die englische Bezeichnung Lord: sie wird zusammengezogen aus dem altenglischen hlafweard, dem Brotlaib-Hüter. Dessen Aufgabe als Haupt des Clans war es, für das Wohl aller zu sorgen.
Bekanntlich kommt die Anrede der italienischen Priester, Don, von der lateinischen Herren-Anrede Dominus. Es handelt sich dabei eigentlich um eine Zusammenziehung des dom(i)naedius: der Herr des Hauses.
Eines Hauses, dessen lebendige Steine wir sein dürfen, eingebaut in die heiligen Mauern des Herrn.
Mose war in Gottes ganzem Haus treu als Diener… Christus aber ist treu als Sohn, der über das Haus Gottes gesetzt ist; sein Haus aber sind wir, wenn wir an der Zuversicht und an dem stolzen Bewusstsein festhalten, das unsere Hoffnung uns verleiht. (Hebr 3,5)
Geld stinkt nicht, sagten die Römer. Jesus lehrt das Gegenteil: Geld riecht nicht nur, sondern – weit schlimmer – es stinkt bis zum Himmel:
„Niemand kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon.“ (Mt 6,24)
Woran liegt das?
Wir wissen, dass für die Hoffnung – für jenen Glauben, der die Hoffnung ist – nichts schlimmer ist als der Besitz von Reichtümern, vom „Mammon“.
Dieses hebräische Wort kommt sogar von derselben Wort-Wurzel, die auch „Amen“ gegeben hat. D.h. von dem Verb „ Aman“, das soviel bedeutet wie „sich auf etwas stützen“ – und das in der Bibel das Glauben bezeichnet.
Der „Mammon“ ist also genau das Gegenteil des Glaubens, das Gegenteil davon sich auf Gott zu stützen, das Gegenteil der Hoffnung. Denn der Mammon ist die Möglichkeit, sich auf sich selbst zu stützen.“ (Y. Congar, in Miquel, Mots-Clés de la Bible, 1996)
Wenn man dem Kirchenrecht glauben darf, ist die Pfarrei nichts anderes als „eine bestimmte Gemeinschaft von Gläubigen … deren Seelsorge … einem Pfarrer als ihrem eigenen Hirten anvertraut wird“ (Codex iuris canonici, Canon 515). Anders gesagt: sie ist der Sprengel in einem Bistum. An der Definition gibt es nichts auszusetzen. Doch die Realität ist komplexer und tiefer als das Recht.
Denn die griechische paroikía bezeichnet gerade nicht die Zugehörigkeit zur Pfarr-Familie, sondern – ganz im Gegenteil – die Fremdheit der Gläubigen in der Welt. Paulus predigt über Israel als das Volk aus der „Fremde“, als es in Ägypten versklavt war: „Der Gott dieses Volkes Israel hat unsere Väter erwählt und das Volk in der Fremde (paroikía) erhöht, in Ägypten; er hat sie mit hoch erhobenem Arm von dort herausgeführt“ (Apg 13,17).
Deshalb soll auch niemand auf ewig in der Fremdheit, in dieser „Pfarrei“, bleiben. Der Christ ist jemand, der aus der Fremdheit und Verlorenheit der Welt aufgenommen wurde in die himmlische Heimat Gottes. Wieder ist es Paulus, der ausruft: „Damals wart ihr von Christus getrennt, der Gemeinde Israels fremd und von dem Bund der Verheißung ausgeschlossen; ihr hattet keine Hoffnung und lebtet ohne Gott in der Welt. … Jetzt aber seid ihr, die ihr einst in der Ferne wart, durch Christus Jesus, nämlich durch sein Blut, in die Nähe gekommen. … Ihr seid also jetzt nicht mehr Fremde (paroikoi) ohne Bürgerrecht, sondern Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes“ (Eph 2,12-19).
Niemand soll für immer Fremder bleiben. Niemand weiß besser als ein Glaubender, dass das irdische Vaterland noch nicht die endgültige Heimat ist. Denn diese ist allein bei Gott. Der Herr bereitet uns „ein nicht von Menschenhand errichtetes ewiges Haus im Himmel“, in dem wir endlich nicht mehr fremd, sondern heimisch sein werden. „Wir sind also immer zuversichtlich, auch wenn wir wissen, dass wir fern vom Herrn in der Fremde leben, solange wir in diesem Leib zu Hause sind“ (2 Kor 5, 1.6).
Was ist nun die Pfarrei? Sie ist die Versammlung derer, die schon bei Gott ihre Heimat gefunden haben. Deshalb sind sie der Welt fremd geworden. Ihre Häuser liegen neben (par-) den Häusern (‑oikos) der anderen und doch mittendrin. Sie sind in der Welt und doch der Welt entfremdet.
Nur als „Weltfremde“ – also als paroikoi, als parishioners (engl.), als paroissiens (fr.), als Pfarrangehörige, wie es im Deutschen sperrig heißt – können die Christen das Salz der Erde sein, das sie sein sollen. Man ist nicht Hefe im Teig dieser Welt, wenn man sich vermischt und zum Allerweltsbrei wird. Deshalb sind die Christen, „Fremde und Gäste … in dieser Welt“. Sie müssen es gegen jede Versuchung bleiben: „Führt unter den Heiden ein rechtschaffenes Leben, damit sie, die euch jetzt als Übeltäter verleumden, durch eure guten Taten zur Einsicht kommen und Gott preisen am Tag der Heimsuchung“ (1 Petr 2, 11-12)

