Katholische Zeitungen in der katholischen Welt sind so wie Deutschland und Österreich: total föderal. Will heißen: jeder Sprengel hat seine Bistumszeitung und dann kommt lange Zeit erstmal nichts. Oder doch?
Es gibt natürlich „Die Tagespost„. Sie ist im Grunde die Zeitung für den deutschsprachigen katholischen Markt. Es braucht eine ordentliche Publizistik, damit in der katholischen Welt nachgedacht und diskutiert wird. Im Grunde, würde ich sagen, gehört die Zeitung auf jeden katholischen Küchentisch.
Es gibt Hintergrund zur Tagesaktualität, Neues aus Rom und aus der Weltkirche, Spiritualität, Lebensschutz und alles, was man sonst noch braucht. Großartige Arbeit mit schmalem Budget.
Prof. Dr. Riccardo Wagner aus unserem Team ist übrigens der neue Chef des Unternehmens, dem die Tagespost gehört. Glückwunsch zum neuen Job! Gleichzeitig beginnt ein neuer Chefredakteur, Benjamin Leven, der zuvor der theologischen Zeitschrift Communio neues Leben eingehaucht hatte.
Historisch: Die Tagespost geht auf eine Gründung in der unmittelbaren Nachkriegszeit zurück. 1948 erhielt der Publizist Johann Wilhelm Naumann von der amerikanischen Besatzungsmacht die Lizenz zur Herausgabe einer Zeitung in Augsburg. Naumann war als ehemaliger Redakteur der Augsburger Postzeitung publizistisch erfahren und galt zugleich als unbelastet durch die NS-Zeit – eine Voraussetzung für die Lizenzvergabe. Naumann erhielt die Lizenz zunächst gemeinsam mit dem Sozialdemokraten Curt Frenzel, wollte aber ausdrücklich ein katholisches Gesinnungsblatt schaffen und gründete daher mit der „Augsburger Tagespost“ eine eigenständige, dezidiert katholische Zeitung. Sein publizistisches Credo brachte er später auf die knappe Formel: „Der Katholik stellt an eine katholische Zeitung die selbstverständliche Forderung, dass diese nun auch katholisch sei.“
Wirtschaftlich stand das Blatt von Anfang an auf wackligen Beinen (ein Muster, das sich durch die gesamte Geschichte der Zeitung zieht). Bereits 1950 wurde sie in „Deutsche Tagespost“ umbenannt, 1951 zog der Verlag nach Regensburg um, weil Augsburg sich als ungünstiger Standort für den überregionalen Vertrieb erwiesen hatte. Doch auch Regensburg blieb nur Zwischenstation: 1955 verlegte man Redaktion und Verlag unter dem Dach des katholischen Echter-Verlags nach Würzburg, wo die Zeitung bis heute erscheint. 1999 erhielt sie schließlich ihren heutigen, schlichteren Namen „Die Tagespost“.
Nach Naumanns Tod 1956 führte zunächst seine Witwe Gertrud, dann sein Sohn Heinrich Wilhelm Naumann den Verlag; als Chefredakteure prägten in den folgenden Jahrzehnten unter anderem Ferdinand Römer (1956–1986) und Harald Vocke (1986–1992) das Blatt, seit 2021 verantwortet Guido Horst die Redaktion. Zu den prominentesten Autoren zählte über Jahrzehnte der spätere Papst Benedikt XVI., der als Kardinal Joseph Ratzinger mehr als vierzig Beiträge für die Zeitung schrieb; ein Leitartikel des Staatsrechtlers Friedrich August von der Heydte löste 1962 die Spiegel-Affäre mit aus. Kirchenpolitisch positioniert sich die Tagespost im traditionsbewussten, romtreuen Spektrum.

