John Henry Newman: Die heilige Maria. Sarto 2025

Die heilige Maria
(c) Sarto

Eine Apologie und historische Begründung des Marienkults. Mit einer Biografie Newmans. 148 Seiten. Im englischen Original: A Letter to the Rev. E. B. Pusey, D.D., on his recent Eirenicon, 1865/66

Apologetik brauchen wir – und lieben wir ohnehin auf ad-fontes.org – und ganz besonders brauchen wir eine Marienapologetik, denn an kaum einem Punkt der katholischen Lehre reiben sich getrennte Christen so hartnäckig wie hier. Newmans Brief an seinen alten Weggefährten aus der Oxford-Bewegung, Edward Bouverie Pusey, ist dafür ein Klassiker: Pusey hatte in seinem „Eirenicon“ die katholische Marienverehrung als das eigentliche Hindernis kirchlicher Wiedervereinigung gebrandmarkt, und Newman antwortet mit jener Mischung aus persönlicher Zuneigung und unnachgiebiger theologischer Klarheit, die seinen ganzen Stil kennzeichnet.

Sein methodischer Kniff: die Unterscheidung zwischen Glaube und Frömmigkeit. Die Lehre über Maria sei seit der Urkirche unverändert, nur ihre Verehrungsformen hätten sich mit den Jahrhunderten gewandelt – damit entzieht er dem Vorwurf der späten Erfindung den Boden. Von dort aus baut er sein Hauptargument auf den frühesten Kirchenvätern auf: Justin, Irenäus und Tertullian sehen in Maria bereits im zweiten Jahrhundert die „zweite Eva“ – nicht bloßes physisches Werkzeug der Menschwerdung, sondern durch Glaube und Gehorsam mitwirkend am Heilsgeschehen, so wie Eva durch Unglaube und Ungehorsam am Fall mitwirkte. Aus dieser patristischen Parallele leitet Newman dann, fast beiläufig, die Unbefleckte Empfängnis her: Besaß schon die ungefallene Eva von Anfang an übernatürliche Gnade, dann muss auch Maria als neue Eva von ihrem ersten Daseinsmoment an ebenso begnadet gewesen sein – substantiell dasselbe Dogma, das Rom erst 1854 formell definierte. Über den auf dem Konzil von Ephesus verankerten Titel Theotokos und eine gewagte, aber mit frühen Katakombenbildern gestützte Deutung der „Frau, bekleidet mit der Sonne“ aus der Apokalypse kommt er schließlich zur Fürbitte Marias, die er aus dem allgemeinen biblischen Prinzip herleitet, dass Heiligkeit die eigentliche Kraft wirksamer Interzession sei.

Bemerkenswert auch die persönliche Note: Pusey hatte angedeutet, ein Konvertit könne nach dem Kirchenwechsel gar kein eigenständiges Urteil mehr fällen. Newman weist das nach zwanzig Jahren als Katholik entschieden, aber ohne Verbitterung zurück – genau jene Balance aus Festigkeit und Freundschaft, die den ganzen Brief trägt und ihn bis heute, zuletzt noch 2004 auf dem Mariologischen Weltkongress in Rom, zur Referenz für katholische Marienapologetik macht.

Den vollständigen Originaltext gibt es online in der Catholic Library: A Letter to the Rev. E. B. Pusey, D.D. Mehr von und über Newmanbei uns: hier.