
Gatz hat die übersichtlichste Kirchengeschichte des bewegten 20. Jahrhunderts verfasst, um die man nicht herumkommt, wenn man den Zustand der hiesigen Kirche begreifen möchte.
Zu Jahrhundertbeginn zählte die Kirche über 11.600 Pfarreien und 17,7 Millionen Katholiken (35,8 % der Reichsbevölkerung); Gatz spannt den Bogen von der Zentrumspartei und der katholischen Verlagslandschaft (Bachem, Schöningh, Herder, Pustet) über Integralismus- und Modernismusstreit, über die beiden Weltkriege und die deutsche Teilung bis in die an Strömungen reiche Zeit nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil.
Das Buch bietet eine durchgehende Gesamtdarstellung des ganzen Jahrhunderts und schließt ausdrücklich an Gatz eigene Standardwerke an – Bistumslexikon, das achtbändige „Geschichte des kirchlichen Lebens“ und sein Kapitel in „Kirche und Katholizismus seit 1945“. Es fungiert fast als Orientierungshilfe und Synthese seines Lebenswerks, mit häufigen Verweisen auf die ausführlicheren Bände. Kein Buch archivarischer Neuentdeckungen also, sondern die Verdichtung eines jahrzehntelang zersplitterten Forschungsfeldes zu einem einzigen Erzählbogen.
Erwin Gatz (1933–2011), Priester und Kirchenhistoriker aus Aachen, promovierte bei Hubert Jedin und habilitierte in Bonn, ehe er 1975 als Rektor an den Campo Santo Teutonico in Rom wechselte – ein Amt, das er 35 Jahre lang innehatte. Herausgeber der zentralen Referenzwerke zur deutschen Kirchengeschichte: des fünfbändigen Bischofslexikons, des zweibändigen Bistumslexikons sowie der beiden großen Reihen „Geschichte des kirchlichen Lebens“ und „Kirche und Katholizismus seit 1945“. 2008 von Benedikt XVI. zum Apostolischen Protonotar ernannt, dem höchsten Rang der Ehrenprälatur.

