
„Der erste existentialistische katholische Roman Westeuropas“ – so bezeichnete ein zeitgenössischer Kritiker das bekannteste Buch des niederländischen Schriftstellers Walter Breedveld, das kurz nach seinem Erscheinen mit dem Großkempischen Literaturpreis ausgezeichnet wurde, völlig zu Recht, und heute, völlig zu Unrecht, in die Tiefen der Antiquariate verschwunden ist. Wer ein antiquarisches Exemplar erhascht, sichert sich eine fesselnde Lektüre, die um die großen Themen von Versuchung und Schuld, Gnade und Erlösung kreist. Hauptfigur des Romans ist Gerard Hexspoor (im niederländischen Original ist das Werk nach ihm betitelt: Hexspoor), eine charakterstarke Persönlichkeit, die jedoch an dem ihr auferlegten Kreuz beinahe zerbricht, sich in die Versuchung flüchtet und dieser für eine Weile erliegt, doch im Ringen mit Sünde und Leid nie aufhört nach Gott zu streben, den er, wenn auch in Todsünde gefangen, aufrichtigen Herzens liebt und sucht, und zu dem er schließlich zurückfindet. Die Stärke des Romans (halb Familiendrama, halb Kriminalfall) liegt dabei nicht einmal unbedingt in seinem Sujet, sondern vor allem in der starken Ausgestaltung der Charaktere, ihres konfliktgeladenen Aufeinandertreffens und der psychologischen Tiefe des inneren Ringens des Protagonisten.
Erkennbar wird dies beispielsweise während der Priesterweihe seines ältesten Sohnes Willem, an der Hexspoor innig Anteil nimmt, obschon sich seiner eigenen Sündhaftigkeit zutiefst bewusst:
Seine brennenden Augen blickten zum Altar, wo die jungen Theologen nun einer nach dem andern vor dem Bischof niederknieten. In tiefer Stille legte der Bischof beide Hände auf das Haupt Willem Hexspoors, die gleiche Handlung nahmen alle Priester am Altar vor. Andere Primizianten folgten, doch der Vater sah sie nicht; er hatte die Hände vor die Augen gelegt und neigte sein Haupt im Gebet. Laß ihn stark und rein bleiben, mein Gott, flehte er, halte ihm die Versuchung ferne, der sein Vater nicht widerstehen konnte. […] Während die Feierlichkeiten ihren Fortgang nahmen, betete Gerard unablässig für seinen Sohn. Sein Gebet brachte ihm selbst Trost. […] Willem Hexspoor war Priester. Sein Wort hatte die geheimnisvolle Macht bekommen, das Brot und den Wein in den Leib und das Blut Christi zu verwandeln. In tiefer Ergriffenheit neigte der Vater sein Haupt noch tiefer und betete: Triff mich, Gott, denn ich verdiene es, gestraft zu werden. Aber ihn behalte immer in Deiner Gnade.
Walter Breedveld: Gott schreibt gerade auch auf krummen Zeilen. Otto Müller Verlag Salzburg 1954, S. 210+211.
Mehr Romane mit psychologischem Tiefgang finden sich bei der großartigen Gertrud von le Fort.
