Die Lausitz braucht eigentlich kein Denkmal, denn jede Straßenecke und jeder ordentliche Hof hat als Denkmal das berühmte sorbische Kreuz in Schwarz mit goldenem Korpus.
Otfried Preußler hat ihr trotzdem eins gesetzt, indem er eine alte Sage des Lausitzer Lands aufgenommen hat. „Krabat“ ist die Geschichte eines Waisenjungen, der bei Hoyerswerda auf eine Mühle kommt, um Müllersgeselle zu werden.
Der Müllermeister verspricht den Lehrjungen mehr als gewünscht: wenn sie sich durch den Schweiß ihres Angesichts ein dunkles Mal von der Stirn waschen, gibt er ihnen ungeahnte Kräfte und Macht. Die kommt jedoch nicht von ihm selbst, sondern von einem geheimnisvoll-gruseligen Fremden mit roter Feder am Hut. Wir ahnen: der Mann steckt mit dem Teufel unter der Decke. Und das muss mit dem Leben bezahlt werden – so stirbt Jahr für Jahr einer der Lehrlinge für den Satan.
Befreien kann den in die Fänge des Bösen geratenen nur die Liebe: die Liebe eines Mädchens aus dem Nachbardorf, die die (berühmten sorbischen) Osterfeierlichkeiten vorsingt. Sie wird den magisch zum Raben verwandelten erkennen, an der Angst, die er um sie hat. Indem sie ihn aus Liebe erkennt, bricht sie den Bann und befreit Krabat und alle übrigen aus den Fängen des Teufels und seines Gehilfen.
Deutschland ist nicht arm an den dunklen Teufelssagen: Es gibt die schwarze Spinne von Gotthelf, den Schimmelreiter von Storm und den Ahasver von Heym (hier sogar: ein sozialistischer Satan!). Aus Russland ist besonders empfehlenswert: der Meister und Margarita, von Bulgakow. Aber bei niemandem erscheint die Gnade so lichtreich und schön wie bei Preußler. Deshalb ist Krabat ein christlicher Roman (bzw. Jugendroman).


