Jacques Philippe: Die innere Freiheit. Die Kraft des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. parvis 2021

Glaube, Hoffnung und Liebe werden als die drei göttlichen Tugenden bezeichnet. Göttlich in zweierlei Hinsicht: Zum einen, weil sie in Gott verwurzelt sind und aus Ihm entspringen; zum anderen, weil sie auf Gott gerichtet sind und den Menschen auf die Gemeinschaft mit Ihm hin ausrichten (vgl. KKK 1812 + 1813).

In Jacques Philippes Buch über die innere Freiheit spielen sie eine zentrale Rolle, denn, so seine These, in dem Maße, in dem Glaube, Liebe und Hoffnung wachsen und sich entfalten, nimmt auch jene (d.h. die innere Freiheit) zu. Aus der Kraft der göttlichen Tugenden erwächst die Freiheit, in der Nachfolge Christi „Ja“ zu sagen: Zu mir selbst, zum anderen, sogar zum Leid und zu dem, was mir an inneren oder äußeren Prüfungen und Widrigkeiten widerfährt. Der erfahrene geistliche Begleiter und Buchautor, Priester der Gemeinschaft der Seligpreisungen, legt dar, wie aus einer Haltung heraus, die in diesen drei Tugenden gründet, zudem Vergebung möglich wird und jegliche Situation, sogar die Folgen der Sünde (die der eigenen oder die anderer), durch Gottes Gnadenwirken zum Heil und zur Heiligung führen kann.

In der Einübung und der Erfahrung des in-Gott-Verwurzelt-Seins in Glaube, Liebe und Hoffnung und so im gegenwärtigen Augenblick vor Gott stehend, habe der Mensch alles, was er benötige, und ihm mangele es im Wesentlichen an nichts. Zugleich kann so absterben (im Durchleben dessen, was die Mystik als „dunkle Nacht“ bezeichnet hat), was nicht wesentlich ist, und der Mensch wird, je ärmer im Sinne der Seligpreisungen, umso wahrhaft freier, da im Innersten befreit von Ich-Bezogenheit und Stolz, auch geistlichem Stolz.

Der freie Mensch, der geistlich reife Christ, der wirklich zum „Gotteskind“ geworden ist, ist derjenige, der sein vollständiges Nichts erkannt hat, sein ganzes Elend, der gleichsam „zu Nichts“ geworden ist, der aber in der Tiefe dieses Nichts am Ende die unaussprechliche Zärtlichkeit Gottes und dessen bedingungslose Liebe erkannt hat. Von da an hat er nur noch eine einzige Stütze und eine einzige Hoffnung: die grenzenlose Barmherzigkeit des Vaters im Himmel.

Jacques Philippe: Die innere Freiheit. Die Kraft des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. parvis 2021, S. 171

Diese Erfahrung führt zu einer tiefen Umwandlung im Leben des Christen und einer unschätzbaren Gnade: Das Fundament meines Lebens, meiner Beziehung zu Gott bin nicht mehr ich, sondern ist ausschließlich Er.

Jacques Philippe: Die innere Freiheit. Die Kraft des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. parvis 2021, S. 167.

Dabei spielt vor allem die Hoffnung „eine Schlüsselstellung“:

Auf den Glauben gegründet, ist sie [= die Hoffnung] es, die es der Liebe ermöglicht, zu wachsen und sich zu entfalten. […] Das Wesentliche im geistlichen Kampf des Christen besteht darin, in der Kraft des Glaubens in jeder Lage einen Blick der Hoffnung zu bewahren in bezug auf uns selbst, auf die anderen, auf die Kirche und die Welt.

Jacques Philippe: Die innere Freiheit. Die Kraft des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. parvis 2021, S. 137.

Auch lesenswert von Pater Jacques Philippe: Suche den Frieden und jage ihm nach. Eine Abhandlung über den Frieden des Herzens.